Pflanzenöl in Dieselmotoren
Umrüstsysteme im Überblick
Verwendungsmöglichkeiten von Pflanzenöl
in Motoren
Pflanzenöl unterscheidet sich von den Eigenschaften des Diesels. In nachfolgender
Tabelle werden die Unterschiede zwischen Diesel, Rapsöl und RME (Biodiesel)
dargestellt.

Der spezifische Heizwert in MJ je kg liegt beim Pflanzenöl aufgrund des
Sauerstoffanteils rund 10% niedriger als beim Dieselkraftstoff. Berücksichtigt
man jedoch die höhere Dichte des Pflanzenöles, so verringert sich
die Heizwertdifferenz je Liter Rapsöl gegenüber fossilem Diesel
auf nur ungefähr 3% . Dieser Energieinhalt des Kraftstoffes ist nun verantwortlich
für das Leistungs- und Verbrauchsverhalten.
Bei vergleichbarem thermischen Wirkungsgrad ergibt sich für Rapsöl
im Vergleich zu Dieselkraftstoff ein geringer Leistungsverlust oder Mehrverbrauch.
Jedoch wirkt sich der höhere Sauerstoffgehalt und eine fast vollständige
Schwefelfreiheit des Rapsöles vorteilhaft für die Verbrennung aus.
Der Energieinhalt eines Liters Rapsölmethylester liegt aufgrund der geringeren
Dichte etwas unter dem von Rapsöl.
Der größte Unterschied von Diesel und Pflanzenöl liegt in
der unterschiedlichen Viskosität. Die Viskosität von Rapsöl
kommt erst bei hohen Temperaturen (90°C) and die Viskosität von Diesel
bei niedrigeren Temperaturen (20°C) heran.
Dies führt im Rapsölbetrieb einerseits zu Kaltstartproblemen und
andererseits bei zu niedriger Temperatur des Rapsöles in der Brenngeometrie
zur Verschlechterung des Zerstäubungsverhaltens bei der Einspritzung.
In verschiedenen Projekten hat sich herausgestellt, dass bei Pflanzenöl
infolge der relativ großen Moleküle beim Aufheizen eine „crack-
Neigung“ besteht. Das kann die Ursache von immer wieder festgestellten
Ablagerungen an Einspritzdüsen, Kolbenringen usw. sein.
Um Pflanzenöle in Dieselmotoren einzusetzen existieren folgende Möglichkeiten:
• Anpassung des Kraftstoffes an den Motor
• Anpassung des Motors an den Kraftstoff
• der Beimischung von Rapsöl oder Rapsölmethylester (RME) zu fossilen
Kraftstoffen
Anpassung des Kraftstoffes an den Motor
Das am meisten verbreitete Verfahren zur Anpassung von Rapsöl an konventionelle
Dieselmotoren ist die Umesterung zu Rapsölmethylester (RME). Bei der Umesterung
wird der dreiwertige Alkohol des Rapsöles (Glycerin) mit Hilfe von Katalysatoren
(z.B. Natron- oder Kaliumlauge) durch drei einwertige Alkohole ersetzt. Meistens
wird hierzu Methanol verwendet. Als Nebenprodukt entsteht Glycerin. Dieses und
der entstandene RME müssen vor der weiteren Verwendung noch aufbereitet bzw.
gereinigt werden. Auch andere Pflanzenöle können umgeestert werden.
Dann spricht man von Pflanzenölmethylester (PME). Neben Pflanzenfetten können
auch Altspeisefette oder tierische Fette als Rohstoff eingesetzt werden. Die alltägliche
Bezeichnung dafür ist Biodiesel. Diese wird synonym für Fettsäuremethylester
(FME) verwendet.
Anpassung des Motors an den Kraftstoff
Für die Verwendung von reinem unverändertem Pflanzenöl als Kraftstoff
ist es erforderlich, die Verbrennungstechnik des Dieselmotors an die Eigenschaften
des Pflanzenöles anzupassen. Derzeit gibt es keine speziell für Pflanzenöl
konstruierten Motoren am Markt. So werden vorhandene Dieselmotoren auf Pflanzenöl
umgerüstet.
Bei dieser Umrüstung können die Kraftstoffzufuhr, die Verbrennung und
die Kraftstoffeinbringung Bestandteile der Umrüstung sein. Jedes Konzept
muss aber an die motorspezifischen Gegebenheiten des jeweiligen Typs angepasst
werden, wobei sich die Umrüstkonzepte der verschiedenen Anbieter in Ausführung
und Qualität beträchtlich unterscheiden. Die konkreten Umrüstmaßnahmen
sind oft Firmengeheimnisse. Grundsätzlich kann bei der Umrüstung aber
in Eintank- und Zweitanksysteme unterschieden werden.
Eintanksysteme
Bei Eintanksystemen wird das Fahrzeug auf den alleinigen Betrieb von Rapsöl
angepasst. Oft werden Kraftstoffleitungen mit größerem Querschnitt
eingebaut, wobei keine katalytische Materialien wie Kupfer und Messing verwendet
werden sollen. Weiters wird oft eine Kraftstoffvorwärmung installiert, die
elektrisch ausgeführt oder in Form eines Wärmetauschers mit dem Kühlwasser
erfolgt. Bei Wechselbetankung wird auch eine Kraftstofferkennung eingebaut. Zur
Verbesserung des Kaltstartverhaltens beim Eintankprinzip kann der Einbau einer
Standheizung sinnvoll sein. Daneben kann der Kaltstart durch Modifikationen bzw.
Austausch der Glühkerzen und verlängerte Vorglüh- und Nachglühzeiten
verbessert werden. Ein Umrüster beheizt zusätzlich die Einspritzdüsen,
um die Viskosität des Pflanzenöles zu verringern und den Einspritzvorgang
zu optimieren. Manchmal wird auch die Einspritzpumpe ausgetauscht, da manche Typen
für die Pflanzenölverwendung nicht geeignet sind.

Der größte Vorteil eines Eintanksystems ist sicherlich der gesamte
Wegfall des Diesels. Im Rahmen des österreichischen Forschungsprojektes für
Pflanzenöl-Traktoren sind für die Umrüstung des Traktors mittels
Eintanksystem derzeit nur zwei seriöse Umrüstanbieter am Markt. Diese
bieten jedoch nur für Deutz-Motoren, welche in Fendt- und Deutz-Traktoren
eingebaut sind, Umrüstlösungen an. Die Kosten dafür liegen bei
rund € 5.000 bis € 8.000. (exkl. Ust.).
Zweitanksysteme
Zweitanksysteme ermöglichen den Betrieb mit Pflanzenöl durch ein Zweikraftstoffsystem.
Beim Start und beim Abstellen des Motors wird dieser mit Dieselkraftstoff betrieben.
Das heißt, am Ende des Pflanzenölbetriebs wird auf Diesel umgeschaltet,
damit Einspritzleitungen und –düsen gespült werden und so beim
nächsten Start mit Diesel gefüllt sind und sich keine Ablagerungen bilden
können. Der Fahrbetrieb dazwischen oder bei optimalen Bedingungen erfolgt
mit Pflanzenöl. Eingriffe in den Motor sind nicht notwendig. Vorwärmungen
werden ebenso wie bei den Eintanksystemen eingebaut.
Diese Systeme sind für verschiedene Traktor- Typen geeignet. Ob der eigene
Traktor umrüstbar ist, muss jeweils mit dem Umrüstbetrieb abgeklärt
werden. Die Kosten für ein Zweitanksystem beim Traktor liegen bei rund €
4.000 bis € 6.000 (exkl. Ust.).
Der Vorteil eines Zweitanksystems liegt darin, dass Kaltstartprobleme im Winter
wegfallen, da mit Dieselkraftstoff gestartet wird. Andererseits ist weiterhin
eine Abhängigkeit zum fossilen Diesel gegeben und die Vorteile von einem
reinen Rapsölbetrieb fallen weg.
Nicht jeder Motor eignet sich gleich gut für den Pflanzenölbetrieb,
und so sollte bei einer Umbauentscheidung genau auf die vorhandenen Erfahrungen
des Umrüsters geachtet werden.

In den letzten Jahren haben immer mehr Firmen begonnen umzurüsten. Dazu ist
anzumerken, dass in jüngster Zeit nur ein Hersteller von Maschinen bekannt
gegeben hat, dass die Garantie bei Neufahrzeugen bei Pflanzenölbetrieb mit
autorisierten Umrüstern erhalten bleibt, wenn eine Maschinenbruchversicherung
abgeschlossen wird. Ansonsten ist uns derzeit keine offizielle Zustimmung von
Motor- bzw. Maschinenherstellern für den Pflanzenölbetrieb bekannt.
Beimischung von Pflanzenöl zu fossilem
Diesel
Kurzzeitversuche mit Kraftstoffgemischen waren fast immer erfolgreich. Langzeitversuche
dagegen führten oft zu Ausfällen der Motoren durch Ablagerungen und
Verkokungserscheinungen. Dies passierte vor allem bei Pflanzenölanteilen
über 20%. Überschlägig wird prognostiziert, dass sich z.B. bei
einer 20%-igen Beimischung von Rapsöl die Lebenserwartung eines Motors auf
etwa 80% der üblichen Diesellaufzeiten verringern würde. (Maack und
Maurer, 2002)